****aktuell: SARS-CoV-2 / COVID-19****

Liebe Mitbürger,

das Coronavirus erobert Deutschland. Stand 14.03.2020 hatten wir in Deutschland knapp 5000 gelistete Fälle, im Norden sind es zum vorgenannten Zeitpunkt etwa 600. Diese Momentaufnahme jedoch ist trügerisch, tatsächlich haben wir bereits die doppelte bis dreifache Zahl an Infizierten, die sich noch in der Inkubationsphase befinden oder die auch unerkannt erkrankt sind. Der Blick nach Italien sollte, das uns eine gute Woche voraus ist, zeigt uns die Zukunft. Ebenso haben am 14.03.2020 nicht nur Spanien und Frankreich zu radikalen Maßnahmen gegriffen, um in dem verzweifelten Kampf gegen SARS-CoV-2 eine Eingrenzung möglich zu machen oder zumindest Zeit zu gewinnen.

Die Maßnahmen gemäß Erlass der Landesregierung war bereits zum Zeitpunkt der Veröffentlichung inhaltlich unzureichend und in der Sache bereits überholt. Während inzwischen eine Vielzahl von Ländern die Freizügigkeit und Reisefreiheit eingegrenzt hat und die Menschen anweist, zu Hause zu bleiben, Läden und Restaurants schließt, meint man bei uns noch, dass sanfte Maßnahmen helfen würden.

Das steht im Widerspruch zur Bundeslinie, die klar fordert, dass im Sinne von Verantwortung und Solidarität soziale Kontakte eingeschränkt werden müssen und Maßnahmen Zeit im Kampf gegen das Virus gewinnen sollen. Die Landesregierung, die Timmendorfer Verwaltung und auch die Timmendorfer Politik haben am heutigen Tag einen unverzeihlichen Fehler begangen, als man unser bisher unbetroffenes Dorf abertausenden Tages- und Wochenendgästen aus nahezu dem gesamten Bundesgebiet einen Wohlfühlort geboten hat. Die Fortsetzung folgt morgen bei noch besserem Wetter und beworbener Sonntagsöffnung.

Es ist unnachvollziehbar, wie man für schnöde Gewinne unseren Ort derart dem Virus zum Fraß vorwerfen kann. Durch ein vernünftiges und solidarisches Handeln von Verwaltung, Politik und Geschäftsleuten hätte man die Invasion verhindern können. Am Sonntag, 15.03.2020 wird es den letzten großen Flaniertag bei uns geben. Ein letztes Mal für mindestens die nächsten Monate werden nochmal im großen Stil einer eigendynamischen Großveranstaltung Luxusautos über unsere Straßen cruisen, Priveligierte Champagner schlürfen und Normalos unsere kostenlosen Parkplätze füllen, bevor dort demnächst der Katastrophenschutz und die Bundeswehr Einzug nehmen werden, um uns beim Überleben zu helfen.

Ohne dieses schändliche rücksichtslose Wochenende und mit eigenen mutigen von Verwaltung, Politik und Dorfgemeinschaft getragenen Maßnahmen hätten wir unsere schöne Heimat vielleicht noch isoliert und frei vom Virus halten oder zumindest einiges an Zeit gewinnen können. Ich glaube nicht, dass etwaige schneidige Maßnahmen vom OLG Schleswig gekippt worden wären in dieser Ausnahmelage, weil Timmendorfer Strand eben ein Ort mit enormer Strahlkraft war. Hier sieht man vorzüglich, was passiert, wenn an allen Stellen Erfahrung, Kompetenz und (Ge)Wissen fehlen. Die Gemeinde Timmendorfer Strand wollte zur Gefahrenabwehr 2013 eine rechtswidrige Alkoholverbotsverfügung zum Himmelfahrtstag durchsetzen, weil Timmendorfer Strand aufgrund seiner Besonderheiten sich gefährdet sah durch eine Vielzahl von Menschen, die über den Ort herfallen und Alkohol mit sich tragen. Der Coronavirus 2020 scheint aber akzeptabel zu sein, Hauptsache er bringt noch ein paar Euro mit.

In zwei Wochen sind touristische Fahrten und Ortswechsel womöglich Geschichte und wir hätten hier nach Durchtestung unserer tatsächlichen 6000 Einwohner entspannt in unserer selbstgewählten Dorfquarantäne ausharren können und hätten womöglich mal selbst exklusiv intern unseren Ort, den Strand und die Natur genießen dürfen. So werden nun auch die letzten Unverbesserlichen voraussichtlich die Erfahrung machen, dass Overtourism der beste Freund von Corona ist. Ich glaube übrigens nicht, dass es mit dieser Verantwortungs- und Sorglosigkeit noch weitere fette Tage geben wird. Die Verantwortlichen und Profiteure haben anscheinend keine schwachen Familienangehörigen bzw. sind diese ihnen nicht sonderlich viel wert ….

Verwaltung und Politik müssen ab sofort tätig werden. Es gibt auch keinen Grund, die Ausschüsse und Sitzungen abzusagen. Jeder Tag zählt und wir brauchen nun sofort Maßnahmen und Pläne für die nächsten Monate !

Sven Markus Kockel